Tischtennissaison 2019/20 in Folge des Corona-Virus vorzeitig beendet – mit positiven und negativen Folgen für die TSG

Wir möchten über die aktuelle Situation sowie die Beschlüsse der Tischtennisverbände (DTTB und HTTV) informieren, eine Bewertung vornehmen und die Folgen für die TSG-Teams einordnen.

 

Vorab sei bemerkt, dass wir uns in schwierigen Zeiten befinden und die Gesundheit erst einmal vorrangig ist und Sport hier nachrangig zu betrachten ist. Nichtsdestotrotz möchten wir einen Blick auf unsere schönste Nebensache der Welt, unseren geliebten Tischtennissport, werfen – und möchten auch unseren kleinen Beitrag leisten, dass Ihr die Corona-Zwangspause gut übersteht.

 

Die Abteilungsleitung geht auch neue Wege und hat am 26. März 2020 erstmals per Videokonferenz getagt. Wir stellen intensive Überlegungen an, wie wir Euch in diesen Zeiten unterstützen können, damit Ihr Euch fit halten könnt, das soziale Miteinander der Tischtennisabteilung auch unter erschwerten Bedingungen aus der Distanz weiter lebt und vor allem unseren TT-Kids und deren Eltern nicht die Decke auf den Kopf fällt. Für die allgemeine Fitness hat der Gesamtverein TSG Oberrad einen youtube-Kanal eröffnet mit verschiedenen Fitnessangeboten und Workouts – hier wollen wir auch bald aktiv werden. Ferner erhaltet ihr von uns auf unserer TSG-TT-Facebook-Seite ausgewählte externe Links für TT-spezifisches Training in den eigenen vier Wänden, aber auch zu Taktik und mentaler Stärke z.B. in Podcasts, Webinaren, usw. Intern hatten wir ja unmittelbar nach den Schulschließungen und der Kontaktsperre mit Challenges auf dem Küchentisch begonnen, was nur ein Startschuss sein sollte. Auch ein „Barabend“ per Videokonferenz für die Erwachsenen zum Plaudern ist in Planung. Wir halten alle TSG’ler*innen mit weiteren Überlegungen über die internen Wege auf dem Laufenden. Neben der Überbrückung während der Corona-Auszeit arbeiten wir aber auch weiter an Zukunftsprojekten – Ihr dürft gespannt sein!

 

Nun aber zum Wettkampfsport und der Saison 2019/20. Am 12.3.2020 wurde die Saison mit sofortiger Wirkung vorläufig bis zum 19.4.2020 unterbrochen. Seitdem sind Verlauf und entsprechende Maßnahmen durch die Corona-Pandemie kaum vorhersehbar und planbar. Wenn Expert*innen und die Politik nicht einschätzen können, was in ein paar Wochen oder Monaten sein wird, ist das für Tischtennisfunktionär*innen umso schwerer. Deshalb sei hier allen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Verantwortlichen erst einmal gedankt, dass sie sich neben den privaten und beruflichen Einschränkungen und Sorgen zusätzlich für unsere Sportart engagieren, um nach maßvollen Lösungen zu suchen. Zahlreiche Sportarten haben die Laufende Saison schon für beendet erklärt und sehr unterschiedliche Auf-/ Abstiegsregelungen getroffen. Nur das Millionenspektakel Fußball lässt sich lieber von privaten Fernsehkonzernen statt von Gesundheitsexpert*innen beraten und versucht ohne Fürsorge für die Sportler*innen mit aller Gewalt die Saison fortzusetzen. Am 1.4.2020 ist nun bundesweit die Entscheidung getroffen worden, dass die Saison abgebrochen und nicht fortgesetzt wird. In den letzten Wochen wurden in allen 18 Tischtennis-Landesverbänden sowie vom DTTB Vorschläge erarbeitet, wie die Saison gewertet werden kann und was die Folgen hinsichtlich Aufstieg und Abstieg für die neue Saison sind. Die Vorschläge waren recht unterschiedlich und die Verantwortlichen hatten am 31.3.2020 die Aufgabe, alle vorliegenden Ideen sportlich und juristisch zu bewerten, um dann eine bundesweit einheitliche Lösung festzulegen und keinen regional unterschiedlichen Flickenteppich zu hinterlassen. Ziel war eine zeitnahe Lösung, um den Vereinen Klarheit und Planungssicherheit zu geben.

 

Ein Ansatz war, die ganze bisherige Saison zu annulieren. Ein andere Idee war, dass die Abschlusstabelle der Vorrunde maßgeblich für Meisterschaft sowie Auf- und Abstieg ist und die gesamte Rückrunde annuliert wird. Es wurden auch verwegene Ideen diskutiert, wie z.B. nach QTTR-Wert die restlichen Spiele nach TTR (Rankingwert) der Stammspieler*innen zu simulieren. Auch eine Überlegung war, sich bei „schiefen“ Tabellen an der Mannschaft der Liga mit den wenigsten Partien zu orientieren und die von den anderen Teams mehr gespielten Matches rauszurechnen. Durchgesetzt hat sich die Variante, dass der am 13.3.2020 eingefrorene Tabellenstand mit allen bis dato gespielten Verbandsspielen abschließend zählt. Dadurch wird keine absolvierte Leistung entwertet und jedes gespielte Match zählt auch. Problematisch ist hier, dass die Mannschaften einer Liga teilweise unterschiedlich viele Spiele hatten (Bsp.: Eine Mannschaft führt die Tabelle mit 29-5 Punkten an, während der Zweite 28-0 Punkte hat und die Pluspunkte laut WO den Ausschlag geben) oder das Restprogramm sehr unterschiedlich ist (Bsp.: Eine Mannschaft hat im Abstiegskampf die direkten Konkurrenten zum Schluss und hat zur Rückrundenbeginn nur gegen die Topteams gespielt, während die Konkurrenz das leichtere Startprogramm hatte und dadurch mehr Punkte hat). Nachzulesen ist das im Beschluss der Telefonkonferenz von DTTB und der Landesverbände vom 1.4.2020 und den weiteren Erklärungen dazu vom 2.4.2020. Der DTTB-Podcast „Ping Pong und Prause #2“ beschäftigt sich u.a. auch damit. Weitere Ideen waren unterschiedliche Formen davon, die Saison zu verlängern. Die Annulierung von Spielen wäre sportrechtlich mit Blick auf die WO am schwierigsten rechtssicher durchsetzbar gewesen und die Fortsetzung der Runde aktuell völlig unvorhersehbar. Deshalb ist aus dieser Perspektive die Entscheidung nachvollziehbar, auch wenn sie (wie jede andere Lösung auch) Gerechtigkeitslücken hat.

 

Um Ungerechtigkeiten abzufedern, wurde den Landesverbänden überlassen, wie sie mit Auf- und Abstieg der Teams auf den Relegationsplätzen umgehen. Der HTTV hat hier am 2.4.2020 entschieden, dass alle Teams auf einem Aufstiegsrelegationsplatz ohne Relegationsspiel aufstiegsberechtigt sind. Die Tabellenersten sind normalerweise aufstiegsverpflichtet, können in diesem besonderen Fall aber auch davon zurücktreten. Die Teams auf einem Abstiegsrelegationsplatz haben den Klassenerhalt erreicht. Das kann Ligen mit einer größeren Klassenstärke und vermehrten Abstieg in der Saison 2020/21 zur Folge haben. Dadurch werden eine Großzahl der Ungerechtigkeiten beseitigt, weil mehr Teams automatisch aufsteigen und automatisch nicht absteigen. Bitter kann dies allerdings bei engen Tabellenständen und einer ungleichen Anzahl von Spielen sein. Es ist noch nicht abschließend klar, ob es noch Härtefallregelungen gibt und wie ein solcher Härtefall ggf. definiert wäre. Andere Sportarten wie z.B. Volleyball haben Kulanzregelungen wie eine Saison ohne Abstieg und Wildcards für die obere Spielklasse vorgemacht, die es aber leider im Tischtennis so nicht geben wird.

 

Die Bewertung der sportlichen Leitung der Tischtennisabteilung der TSG Oberrad hätte sich genau eine solche Kulanzregelung ohne Abstieg ergänzend zu den getroffenen Entscheidungen gewünscht. Dadurch wären zumindest im Abstiegskampf jegliche Ungerechtigkeiten komplett beseitigt gewesen und die Klassenstärke hätte sich dadurch im Mittel auch nicht verändert und hätte in der nächsten Saison durch vermehrten Abstieg korrigieren lassen.

 

Von den 9 Damen- und Herrenmannschaften sind 6 TSG-Teams betroffen von den Auf-/ Abstiegsregelungen – 2x positiv und 4x negativ (davon 2x gravierend).

 

Die positivste TSG-Nachricht vorneweg – unsere 1.Damenmannschaft ist als Tabellenerster der Verbandsliga Süd zum Saisonabbruch somit direkt in die Hessenliga als Meister aufgestiegen. Sie hatte gerade noch rechtzeitig das Spitzenspiel gegen Langstadt gewonnen und wäre mit der Regelung allerdings auch als Tabellenzweiter direkt aufgestiegen. Willkommen zurück in der Hessenliga!

 

Die 4.Herrenmannschaft wäre als verlustpunktfreier Tabellenführer so oder so aufgestiegen. Außer wenn die Saison komplett annuliert worden wäre. Herzlichen Glückwunsch zur Rückkehr in die Bezirksklasse.

 

Die 1.Herrenmannschaft ist Tabellendritter mit einem Punkt Rückstand auf den Relegationszweiten. Damit war sie theoretisch in Schlagdistanz zum Aufstiegsplatz. Allerdings muss man sportlich bemerken, dass die beiden Mannschaften vor ihnen stärker waren und somit der Nichtaufstieg in die Verbandliga gerechtfertigt erscheint.

 

Schwieriger wird es dann bei der Bewertung für unsere 2.Damenmannschaft. Sie liegt als absolute Positivüberraschung auf Rang 3 der Bezirksoberliga mit 18-8 Punkten. Der Tabellenzweite Seligenstadt hat 19-9 Punkte und wäre am 15.3.2020 zu Gast in der Spatzengasse gewesen. Einerseits ist die Mannschaft in der Bezirksoberliga gut aufgehoben, andererseits war Rang 2 zur Aufstiegsrelegation zum greifen nah und nach Minuspunkten war man sogar besser als Seligenstadt. Unabhängig der Frage, ob wir hier überhaupt aufsteigen wollen, wäre das ein Beispiel für eine notwendige Härtefallregelung mit einem Aufstiegsangebot für unsere D2. Wir sind gespannt.

 

Absolut notwendig wäre eine Härtefallregelung für unsere 3.Herrenmannschaft in der Bezirksliga. Sie steht mit 10-18 Punkten auf dem ersten Abstiegsplatz, während die beiden Mannschaften auf den Rängen davor (Relegation und Nichtabstieg) 11-15 Punkte aufweisen. Da unser Team in der Rückrunde ohne Verletzungssorgen deutlich stärker aufgestellt ist, gab es sogar zwei Unentschieden gegen den Tabellenersten und Tabellendritten – die entscheidenden Spiele gegen die direkte Konkurrenz standen noch an. Wir sind fest davon ausgegangen, den Abstieg zu verhindern. Bei diesem Tabellenbild wäre eine Härtefallregelung absolut angemessen, um den Saisonverlauf nicht zu verfälschen.

 

Unsere 6.Herrenmannschaft steht zwar auf dem letzten Tabellenrang, hatte aber in der Vorrunde genau gegen die Gegner der noch ausstehenden Spiele gewonnen und sich noch Hoffnungen auf den Relegationsrang gemacht. Allerdings ist hier bewusst, dass hier viel „Hätte“, „Wenn“ und „Aber“ beinhaltet sind und der Abstieg nach dem bisherigen Saisonverlauf gerechtfertigt wäre.

 

Abschließendes Fazit ist, dass die TSG der vorzeitige Saisonabbruch im Gegensatz zu den meisten anderen Vereinen negativer getroffen hat. Wir sind nun insbesondere auf die Umsetzung von Härtefallregelungen in der Praxis mit Fokus auf unsere 3.Herrenmannschaft gespannt. Herausragend ist der Hessenligaaufstieg unserer 1.Damenmannschaft nach einer spannenden Aufholjagd und äußerst souverän war der Aufstieg der 4.Herrenmannaschaft.

 

Das wichtigste ist in diesen Zeiten die Gesundheit unserer Mitglieder. Deshalb hoffen wir einerseits, bald wieder dem Tischtennisball in der Spatzengasse hinterher jagen zu dürfen. Andererseits werden wir nichts überstürzen und unseren Beitrag leisten, um gut durch diese Zeit zu kommen – #stayathome. Bitte verfolgt die Angebote der TSG Oberrad Tischtennisabteilung für die Zeit zu Hause. Bleibt gesund!

 

gez. Sportliche Leitung